quer ist ein unabhängiges Blatt, das weder von Parteien, Gewerkschaften, und Kirchen noch von Wohlfahrtsverbänden getragen wird. Allerdings wurde - lang, lang ist's her - die quer in den Anfangsjahren öffentlich, also von Arbeitsamt und Kommune, gefördert. Diese Förderung wurde irgendwann ersatzlos gestrichen - ein Schelm, wer Böses dabei denkt, denn sicher hatte diese Entscheidung rein gar nichts mit ämterkritischer Berichterstattung zu tun -
quer ernährt sich also von Abonnentengeldern, kleineren Spenden und ganz ganz wenigen bezahlten Anzeigen. Davon kann vieles Notwendige oder Wünschenswerte leider nicht bezahlt werden. Auf der Strecke bleibt z.B. die Werbung für die Zeitung, auch Extras wie Mehrfarbdruck usw. brauchen wir gar nicht erst in Angriff zu nehmen - von der Bezahlung redaktioneller Mitarbeit gar nicht zu reden.
Die redaktionelle Arbeit wird von engagierten Erwerbslosen und deren (selbst-)organisierten politischen Zusammenhängen aus Ost (weniger) und West (mehr) gemacht. Grundkonsens für unsere Zusammenarbeit ist die unbedingte Parteilichkeit für Erwerbslose und Arme - und zwar gleich welcher Nationalität.
Durch Themenwahl und Art der Berichterstattung setzt sich quer mit den rastlos umgetriebenen Globalisierungsgespenstern ebenso auseinander wie mit nationalistischer Standortlogik und begreift stattdessen Massenerwerbslosigkeit und Armut nach wie vor als Teil des alltäglichen kapitalistischen Normalvollzugs.
quer will Erwerbslosigkeit weder auf „individuelles menschliches Versagen” noch auf Konzepte reduziert wissen, die mehr oder weniger offen „Arbeit um jeden Preis” bis hin zu Zwangsarbeitsszenarien favorisieren.
Diese Sichtweise bringt in schöner Regelmäßigkeit Konflikte - auch mit den Funktionären formal „wohlmeinender” Organisationen und Parteien, die Erwerbslose bestenfalls ein wenig besser verwaltet bzw. „betreut” sehen wollen - sei es, um das eigene Klientel zu „retten”, zu beruhigen und letztlich bei der Stange zu halten, sei es, um sich als koalitions- und regierungsfähig (pardon, auf neudeutsch heißt das jetzt „modern”, „reform-” oder auch „zukunftsfähig”) zu erweisen.
Gleichzeitig soll quer einen möglichst hohen Nutzwert für ihre Leserinnen haben. Sie dient als „Fachblatt” für engagierte und selbst-bewußte Erwerbslose bzw. Beratungsstellen; so informiert sie fortlaufend über die sozialrechtliche Gesetzgebungsflut und deren Konsequenzen und gibt entsprechend Tips über verbliebene Spielräume, z.B. an welchen Punkten Widersprüche gegen Amtsentscheidungen erfolgversprechend sind etc.. Erwerbslosigkeit soll also nicht verstanden werden als tabuisierter Lebensabschnitt, mit dem mensch sich am besten gar nicht bewußt auseinandersetzt bzw. dem man schleunigst - und selbst um den Preis nicht-existenzsichernder Arbeits- und Entlohnungsbedingungen - wieder entkommen muß.
Dagegen setzt quer auf die (Selbst)-Organisationsansätze von Erwerbslosen, versucht, Kontakte zu vermitteln und berichtet über bzw. beteiligt sich an politischen Kampagnen wie z.B. den Erwerbslosenprotesten des Jahres 1998, der Kampagne gegen die Nichtanrechnung von Kindergeld auf die Sozialhilfe oder gegen die miserable Behandlung von Flüchtlingen und MigrantInnen.
Und wir unterstützen Positionen, die statt „mehr Arbeit”, „mehr Wirtschaftswachstum” und „mehr Konsum” eine gesellschaftlich gerechte Verteilung von Arbeit und Einkommen, radikale Arbeitszeitverkürzung, und nicht zuletzt eine vernünftige und menschenwürdige Absicherung von Erwerbslosen und Beschäftigten fordern - und zwar nicht nur in der Bundesrepublik.