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Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe TeilnehmerInnen des „NRW-Intensivseminars”,
sich vor Ort in Selbsthilfegruppen zusammen zu schließen, ist für „Alg-II-Abhängige” und andere von Armut betroffene Menschen eine überlebensnotwendige Strategie beim Alltags- und Behördenkampf geworden. Das neue Gesetz entrechtet Leistungsbeziehende und macht sie zu BürgerInnen zweiter Klasse. Es lässt riesige Ermessensspielräume für die Behörden der Städte, Landkreise und für die regionalen Agenturen, in die Lebensbedingungen der Erwerbslosen einzugreifen. Und es macht den Einzelnen abhängig von den Entscheidungen eines allmächtigen Fallmanagers.
Selbstorganisation und solidarische Unterstützung bei der Durchsetzung der Rechte von Erwerbslosen ist auch deshalb notwendig, weil immer mehr unabhängige Beratungsstellen einfach weggekürzt werden und mit Hartz IV die gesetzliche Grundlage für die Finanzierung dieser Einrichtungen weggefallen ist.
Wie sollen Betroffene also künftig ihre Rechte durchsetzen?
Wie sollen sie vor Ort Öffentlichkeit schaffen für die skandalösen Lebensumstände in die all diejenigen gezwungen werden, die aus dem Verwertungsprozess ausgeschlossen sind?
Wenn Erwerbslose sich nicht zusammenschließen, um sich selbst zu helfen, hilft ihnen künftig keiner mehr!
Die BAG-SHI begrüßt die Initiative von Tacheles, mit diesem Schulungsseminar für NRW-Gruppen den Prozess der Selbstorganisation voranzubringen und hofft, dass dieses Beispiel Schule macht. Ich wünsche den TeilnehmerInnen im Namen der BAG-SHI ein erfolgreiches Intensivseminar und bei aller Ernsthaftigkeit des Themas den größtmöglichen Spaß beim gemeinsamen Büffeln und Diskutieren.
Solidarische Grüße
Frank Jäger
Frankfurt, 19. April 2005
19. April 2005