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In Verdi organisierte Mitarbeiter in den Arbeitsämter:
Verdi Inteam März 2003
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
als Beschäftigte der Bundesanstalt müssen wir seit Monaten mit der Frage leben, wie die Politik
unsere Institution verändern wird.
Versprochen haben die Politiker stets, dass die Bundesanstalt — unabhängig von
laufenden Organisationsveränderungen — reformiert, d.h. aus deren Sicht
optimiert wird.
Hierzu arbeiten die Regierungsfraktionen im stillen Kämmerlein an einem
Organisations-gesetz (das sogenannte Hartz 3 — Gesetz). Bewundernswert ist es
wiederum, dass diese Beratungen (wie üblich) ohne eine Beteiligung von
Beschäftigten der BA erfolgen.
Warum sollte auch der Sachverstand der BA — Kolleginnen und Kollegen genutzt
werden? Es könnte ja helfen, sinnvolle Regelungen zu schaffen!
Wir als Beschäftigte haben ganz aktuell die neue Geschäftspolitik des
Vorstandes auszubaden.
Da werden aus Nürnberg unhaltbare Versprechungen abgegeben — nämlich ein BA —
Haushalt ohne Bundeszuschuss (und dies bei steigender Arbeitslosigkeit) und die
Kolleginnen und Kollegen vor Ort müssen den Ratsuchenden erklären, dass das SGB
III scheinbar nur noch ein grober Rahmen und keine rechtliche Verpflichtung
mehr ist.
Mit unserem nachstehendem Statement, das auch der Presse zugeleitet wird,
wollen wir aufzeigen, dass die Sozialpolitik von Regierung und Vorstand der BA
die Rahmenbeding-ungen der Beschäftigten der Arbeitsämter erheblich verschlechtert.
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich
- es sei denn, sie beziehen Arbeitslosen- oder Sozialhilfe -
Der Maßnahmenkatalog zur Kürzung der Alg - Bezugsdauer füllt inzwischen schon ganze Aktenordner.
Allerdings ist es weniger die Ideenvielfalt mit einem Strauß an kreativen und
innovativen Aktivitäten, die diese Ordnerseiten füllt — die Stoßrichtung ist
eine ganz andere, wenn auch keine neue.
Um es sich so einfach wie möglich zu machen, holt man sich das Geld von denen
zurück, die es all monatlich in Milliardenhöhe „verprassen”, von den
Arbeitslosen.
Der BA Vorstand fordert Arbeitslosengeldeinsparungen in Höhe von 2,89 Mrd. Euro
für das Jahr 2003.
Dabei schätzen die verantwortlichen in der BA zu Recht ein, dass mit einer
gutwilligen Rückgabe der Gelder durch die Arbeitslosen nicht zu rechnen ist.
Also verpflichtet man die Arbeitsämter, diese Summen einzutreiben.
Das Einsparzauberwort heißt Sperrzeit und die dazu notwendigen Maßnahmen werden
im BA Unwort des Jahres zusammengefasst:
Den Arbeitslosen droht die „Verfolgungsbetreuung”.
Konkret bedeutet das, jede mögliche und unmögliche Gelegenheit zur Verhängung
einer Sperrzeit wird genutzt.
Der Druck auf die Arbeitslosen macht auch vor den Kolleginnen und Kollegen in
den Ämtern nicht halt.
Es werden Hitlisten eingerichtet, mit dem Ziel, zu schauen, wer in welcher Zeit
wie viele Sperrzeiten verhängt. In der Arbeitsvermittlung verschärft sich der Umgangston mit den Arbeitslosen, in
der Leistungsabteilung brechen die Kolleginnen und Kollegen unter der Flut von
Leistungseinstellungen und Sperrzeitbescheiden zusammen.
Die Frage ob berechtigte oder unberechtigte Sperrzeit ist vollkommen
unerheblich, in jedem Fall aber störend und somit unerwünscht.
Die Arbeitsberater und Arbeitsvermittler dürfen Bildungsgutscheine nur noch an
Bezieher hoher Arbeitslosengeldbeträge ausgeben.
Die Mittel des europäischen Sozialfonds (ESF UHG) stehen zwar zur Verfügung,
sollen aber in einigen Ämtern nicht abgerufen werden, weil mit jedem ESF-UHG
Bezieher in einer Bildungsmaßnahme ein Platz blockiert wird, auf den ansonsten
ein Leistungsbezieher kann, der somit unseren Bestand reduziert.
Die Ideenliste zur Schröpfung der Arbeitslosen scheint schier unerschöpflich,
ebenso wie der Druck auf die KollegInnen in der BA, diese Ideen umzusetzen.
Bei der Betrachtung der arbeits-marktpolitischen und sozialen Wende dieser
Bundesregierung und des ausführenden Vorstandes in Nürnberg kommt man in
Entscheidungsnöte, worüber man am meisten empört sein soll:
Vorsicht Falle: Gerster verordnet systematische Leistungseinschnitte bei Arbeitslosen
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2003/alg_falle.html
2002: 55% mehr Trainingsmaßnahmen
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2003/fitness_2002.html
Schweinerei des Monats aus Neumünster: das Arbeitamt Neumünster verlangt
von einem Arbeitslosen per Unterschrift den Verzicht auf Arbeitslosenhilfe
nach dem Arbeitslosengeld-Bezug
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2003/neumuenster_methoden.html